Sonntag, 7. Mai 2017

Russland verbietet Jehovas Zeugen: Ein Zeuge sieht darin die Hand Gottes

Russland hat Jehovas Zeugen verboten, da sie als extremistische Religion eingestuft wird, u.a. weil sie intolerant gegenüber anderen Religionen ist und sich als einzig wahre ansieht.

Der Zeuge Jehovas "Fossilisus", der auf seinem Blog Jehovas Zeugen als einzig wahre Religion zu beweisen und zu verteidigen versucht, sieht das natürlich anders. Dass Jehovas Zeugen selbst zu den eigenen Kindern den Kontakt abbrechen oder zumindest auf ein Mindestmaß beschränken sollen, falls diese die Religion verlassen, ist für ihn nicht extremistisch. Er sieht die Zeugen Jehovas als Christentum nach biblischem Vorbild an und betrachtet das russische Urteil daher als ungeheuerlich.

In einem langen Artikel beschwert sich Fossilisus über die Vorgehensweise der russischen Behörden, mit unhaltbaren und fingierten Beweisen.
"Wenn man [...] sich [die von Russland als extremistisch eingestufte Literatur] durchliest, dann kann man nur zur einem eindeutigen Urteil kommen – Zeugen Jehovas sind in den Augen einiger sicherlich keine wahren Christen, man mag sie ebenso für dumm halten, und mit der Leitung nicht einverstanden sein – aber eines würden wohl die wenigsten nach dieser Gerichtsverhandlung schlussfolgern: dass Zeugen Jehovas extremistisch wären."
Für einen Außenstehenden vielleicht nicht - für jemand, der mal drin war sehr wohl. Ich brauche die immergleichen, eindeutig nachweisbaren Gegebenheiten nicht nochmal ausführen, aber es ist vollkommen klar, dass Jehovas Zeugen mehr der katholischen Kirche in Inquisitionszeiten ähneln als dem Christentum des ersten Jahrhunderts. Das mag für jeden Zeugen Jehovas eine krasse Aussage sein, jedoch stellt sich die Frage, welche andere Religion derart mit Exkommunikation, Schuldgefühlen und Gehirnwäsche arbeitet wie Jehovas Zeugen. Wer hier immer noch nicht zustimmen kann, der sei eingeladen, sich auf diesem Blog etwas tiefer in die Regelungen und Vorgehensweisen, die diesbzgl. bei Jehovas Zeugen vorherrschen, einzulesen.
"Ich verfolgte jeden der Gerichtstage mit Interesse, und für mich sah es sehr positiv aus – das Urteil kam dann wie ein überraschender, harter Schlag ins Gesicht. Laut Forum18.org dauerte die Urteilsverkündung keine 2 Minuten, und wurde völlig unüblich von und in der Gegenwart eines einzelnen Richters ausgesprochen. Eine Begründung für das Urteil? Fehlanzeige! Es gab keine vom Richter – nur eine Aussage vor der Presse der Anklage (Justizministerium) – welche nichts neues beinhaltete außer dem was man vorher den Zeugen Jehovas ankreidete: Die Ablehnung von Bluttransfusionen verstöße gegen russisches Gesundheitsrecht. Zeugen Jehovas würden zum Hass anstiften, und wären eine Gefährdung für Ordnung und Sicherheit. Wieso, weshalb, warum…? Klare Fakten oder Begründungen gab es keine!"
Fossilisus, du musst schon in einer großen Blase leben, dass du nicht erkennst, wieso andere von deiner Religion denken, dass sie hasserfüllt, lebensgefährlich und eine Gefahr für die Gesellschaft wäre. Du bist doch ein kluger Typ - versetze dich doch mal in ihre Lage. Ich bin mir sicher, du wirst selbst die Begründungen finden können, die andere benutzen könnten, um so zu denken.

Und nun kommt der Teil, indem Fossilisus die Opferrolle nutzen, um sich der wahren Religion zugehörig zu fühlen:
"Aber was will man erwarten von einer Welt die „in der Macht dessen liegt, der Böse ist“ (1. Johannes 5:19).
Jesus prophezeite über seine Diener: sie werden ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen….und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen. (Lukas 21:12, 13, 17)
Es ist tatsächlich bereits zu einem Zeugnis ausgeschlagen. Nie zuvor sind Zeugen Jehovas derartigem öffentlichem Interesse begegnet, und wurden in diesem Zusammenhang in vielen Pressemitteilungen mit bedacht."
Wenn der Herr Jesus Christus heute auf die Erde käme und in Russland predigen würde - meinst du, er würde dafür verboten werden, dass er sich gegen Bluttransfusionen aussprach und extremistische Literatur veröffentlichte? Die meisten in Russland ansässigen christliche Kirchen sind deutlich extremer in ihrer Denkweise, als man es den Worten Jesu Christi entnehmen könnte und dennoch nicht verboten, weil sie immer noch weniger extremistisch als Jehovas Zeugen sind. Du vermischt hier die Menschenregeln der Zeugen Jehovas mit der Nachfolge Jesu. Jehovas Zeugen wurden nicht für die Nachfolge Jesu verboten, sondern für Ihre menschlichen Zusatzregeln, die für Russland extremistisch wirken.

Fossilisus sieht sogar Gottes Hand bei dem Prozess:
"Es gab auch unerwartete Lichtblicke während des Prozesses:
1. Am 11. April 2017 feierten Jehovas Zeugen weltweit das Gedächtnismahl, in Erinnerung des Opfertodes Jesu Christi. Dies ist für Zeugen Jehovas der wichtigste Tag im Jahr. Das Gericht und Russland vertagte bemerkenswerterweise ohne Ersuch den Prozess vom 9. April zum 12. April… und hatten dabei sicherlich nicht das Gedächtnismahl der Zeugen Jehovas im Sinn.
2. Eine weitere Vertagung gab es am 12. April bis zum 19. April. Wieder ein besonderes Wochenende für Zeugen Jehovas lag dazwischen, wo weltweit ein Sondervortrag gehalten wurde.
Dank diesen Vertagungen konnten Zeugen Jehovas in Russland ungestört diese beiden für sie wichtigen Ereignisse der Anbetung begehen. Purer Zufall, oder hatte Gott da seine Hände mit im Spiel? – Da darf jeder denken wie er möchte."
Wow - es erinnert mich daran, dass ein Mitglied der Leitenden Körperschaft bei Veröffentlichung der revidierten Neuen-Welt-Übersetzung Gottes Hand im milden Sommer sah, der es ermöglichte, deutlich mehr Exemplare als in einem heißen Sommer möglich zu drucken.

Fossilisus steigert sich noch weiter und vergleicht den russischen Prozess mit der Verurteilung des Sohnes Gottes:
"Die Verurteilung Jesu lief nach einem ähnlichen Schema ab. Pilatus fand „nichts schlechtes“ an Jesus (Matthäus 27: 21-23), überlieferte ihn aber trotzdem auf den Druck des Volkes hin. Das Gericht in Russland fand (davon kann sich jeder überzeugen der das Gerichtsprotokoll liest) ebenfalls nichts schlechtes an Zeugen Jehovas. Aufgrund des Politischen und Religösen Drucks wurden sie dennoch verboten."
Da der tolerante und liberal denkende Fossilisus natürlich nicht zulassen kann, dass jemand auf seinem Blog kritische Kommentare äußert, werden wir wohl nie wissen, ob er meine Ansicht zu seinem Artikel je lesen wird. Ich habe sie ihm dennoch geschickt. Vielleicht wacht auch er eines Tages noch auf.

Ich stelle mir abschließend die Frage, was ich zu einem Fossilisus sagen würde, wenn er denn mit mir spräche. Da er in seiner Denkweise gefangen ist, könnte man ihn, wenn überhaupt, nur sehr sanft und weichesten Fragestellungen zum Hinterfragen seiner Religion bringen. "Manche Christen sehen Jehovas Zeugen als unbiblisch an. Was sagst du zu ihnen, wenn sie dir das sagen?" So wäre es nicht als Kritik formuliert, sondern als ernstgemeinte Frage zu diesem Thema, durch die er sich gewissen Gedanken stellen müsste.
Andererseits geht es dann wieder nur um eine Religion und nicht um Gottes Wege an sich.
Spürst die Leitung von Jesus Christus und vom heiligen Geist bei dir persönlich? Fühlst du dich dem Vater im Himmel nahe? Tröstet er dich, wenn du versagt hast? Hilft er dir, wenn du Kraft brauchst? Oder gehst du den Weg der Zeugen Jehovas, der bedeutet, dass du die Hilfe Gottes hauptsächlich durch "seine Organisation" spüren kannst? ("Wie ein Diener aufmerksam die Hand seines Herrn beobachtet, um dessen Willen zu erkennen, halten Jehovas Diener heute ihre Augen aufmerksam auf die fortschreitende biblisch begründete Anleitung gerichtet, die Jehova ihnen durch seine irdische Organisation zukommen lässt." - Der Wachtturm, 15.02.2003, S. 31)

Update: Die zitierte Passagen wurden am 07.05.2017 seiner Website entnommen. Nachdem Fossilisus meinen Artikel bemerkte, nahm er leichte Änderungen vor. Sollte also ein Unterschied auffallen, liegt es an einer nachträglich Änderung. Natürlich habe ich einen Screenshot von der ursprünglichen Version gemacht. Da Fossilisus ja mitzulesen scheint: Du hast am Ende deines Artikels nun eingeführt "P.S.: Ich hoffe sie konnten den Beitrag in seiner Gänze lesen, ohne sich von Zitatenkleksen daraus auf einer anderen Seite beeinflussen zu lassen." "Sie" wird groß geschrieben, wenn man jemand anspricht. Ich glaube, das hättest du auch ohne Universitätsstudium, von dem jedem Zeugen Jehovas offensiv abgeraten wird, wissen können. Aber schön, dass wir zumindest noch über unsere Webseiten Kontakt haben, wenn du dich schon vor dem persönlichen Gespräch so scheust. Ich hoffe, irgendwann kommt der Tag, an dem nicht mehr Angst dein Hauptantrieb sein wird.

Update 2: Jetzt hast du zwar "Sie" groß geschrieben, aber immer noch einen Kommafehler drin. Schön, dass du hier noch am Ball bist.

Montag, 20. Februar 2017

Der alte Mann, der Zeugen Jehovas hasste (Geschichten-Montag: Aus dem Leben eines Zeugen Jehovas)

Ich erinnere mich an eine Begebenheit nach einem Bezirkskongress in Hamburg ca. 2010. Ich ging mit meiner (leiblichen) Schwester, die ebenfalls Zeuge Jehovas war, zu unserem Auto. Wir waren gut drauf und lachten, weil wir uns bei leichtem Regen zusammen unter einen Schirm zwängten. Wir gingen durch schmale Siedlungsgassen zum Autoparkplatz. Ein alter Mann guckte uns grimmig an und musterte uns. Wir kicherten immer noch vor uns hin, weil es sich so doof anfühlte, sich als Erwachsene zu zweit unter einen Schirm zu quetschen. Der alte Mann rief uns von ca. 3 Metern Entfernung zu, als wir vorbeiliefen: „Sagt mal, seid ihr Zeugen Jehovas?“ Wir sagten: „Ja.“ „Die gehören alle weggemacht.“

Er sagte es exakt so. Keinen Satz davor und keinen danach. Eigentlich waren wir gut drauf. Hatten einen schönen Kongress erlebt. Und dann sagt uns ein grimmiger alter Mann einfach sowas. Es wirkte auf mich wie Hass ohne Grund. Es war eindeutig, dass er mit "weggemacht" sowas wie ausgerottet meinte. Ich kam mir wie im Dritten Reich vor, bevor die Zeugen Jehovas ins KZ gesteckt wurden. Da hat wahrscheinlich eine ähnliche Stimmung vorgeherrscht.

Ich murmelte nur „okay…“ und ging mit meiner Schwester weiter zum Auto. Ich glaube, wir unterhielten uns darüber bei der Heimfahrt nicht. So wie ich meine Schwester kenne, hatte sie es eh schnell wieder aus dem Kopf verdrängt. Doch ich nicht. Mir ging es nach. Ich saß danach auf meinem Balkon. Es war am Abend sonnig und warm. Und ich saß da und dachte nach. Warum nur wurden wir Zeugen Jehovas so gehasst? Warum sagte das ein alter Mann einfach so? Er war ja wohl nicht dämonisiert oder so!?

Ich betete an diesem Tag viel. Dass ich für die Wahrheit leben will, egal wie schwer es sein mag. Und wie dankbar ich für den Kongress bin. Und dass mich Jehova doch leiten möge.

Die Begebenheit ging mir nahe. Sie bestärkte mich in dem Gefühl, in der einzig wahren Religion zu sein. Welcher anderen Religion würde wohl so ein Hass entgegengebracht werden?

Heute frage ich mich, was damals wohl wirklich mit dem alten Mann los war. Hat er ein Familienmitglied an die Zeugen Jehovas „verloren“? Hatte er irgendwelche nachvollziehbaren Gründe für seinen Hass? Oder war er einfach nur ein Spinner, der sich irgendwas einbildete? Kämpfte er wirklich gegen Gott oder hatte er eine andere Geschichte?

Heute habe ich eine andere Sicht, auf die Gründe, weshalb Zeugen Jehovas im Allgemeinen abgelehnt werden und weiß, dass dies meistens nichts mit ihrem vermeintlich christlichem Verhalten, sondern eben mit ihrem in meinen Augen unchristlichen Verhalten zu tun hat. Aber dazu habe ich schon viel an anderer Stelle in diesem Blog veröffentlicht.

Die Situation damals nach dem Kongress fand ich so eigenartig und ich habe so viel darüber nachgedacht und mich dadurch so sehr in meinem Glauben bestätigt gefühlt, dass ich sie aufgeschrieben habe.

P.S.: Ich schreibe schon seit längerem Erinnerungen verschiedene Passagen meines Lebens als Zeuge Jehovas auf, die ich festhalten will. Wie schon hin und wieder mal geschehen :) . Vielleicht wird es mal ein Buch, wer weiß.

In Liebe

Kyp 

Sonntag, 8. Januar 2017

Sind Jehovas Zeugen die wahre Religion, die “vom Geist geleitete Organisation”?


Cover der Wachtturm-
Studienausgabe
vom November 2016
Jehovas Zeugen leben mit der Ansicht, dass Jehova eine Organisation hat. Sie ist ihrer Meinung nach absolut biblisch begründet und eine logische Notwendigkeit. Diese Organisation existiert für sie in Form der organisierten Religion der Zeugen Jehovas, an deren Spitze sieben ältere Herren stehen, die sich selbst als die “Leitende Körperschaft” bezeichnen. Seit 2012 sieht sich diese Gruppe von älteren Männern selbst als den von Jesus in Mt. 25 erwähnten “treuen und klugen Knecht” an (in der Übersetzung der Zeugen Jehovas “treuer und verständiger Sklave”). Die Organisation der Zeugen Jehovas bezeichnen sie als “vom Geist [Gottes] geleitete Organisation”.

In der Wachtturm Studienausgabe vom November 2016 ab Seite 9 begründen Jehovas Zeugen, warum sie was wie organisiert haben und wollen dabei den Eindruck vermittelt, dass ihre Organisation voll und ganz nach biblischem Vorbild strukturiert ist.
Werfen wir einen Blick darauf und gucken wir, ob die dort gelieferten Begründungen biblisch haltbar sind. Ich empfehle, den Artikel vor oder parallel zum Lesen dieser Abhandlung zu lesen, um die Denkweise der Zeugen Jehovas besser nachvollziehen zu können. Sternchen * in dieser Abhandlung verweisen auf tiefergehende Informationen zum jeweiligen Thema, die am Ende des Blogeintrags stehen.
Erste Seite des hier behandelten
Artikels der Wachtturm-Studien-
ausgabe vom Nov. 2016

Die drei Fragen am Anfang der Artikels lauten:

Was überzeugt dich davon, dass Jehova ein unvergleichlich guter Organisator ist?
Warum ist es vernünftig zu erwarten, dass Jehovas Anbeter organisiert sind?
Wie hilft uns der Rat aus Gottes Wort, die Reinheit, den Frieden und die Einheit zu bewahren?
Wenn Jehova etwas organisieren möchte, dann wird er das als Allmächtiger Gott mit allem was dazugehört logischerweise unvergleichlich tun. Macht ihn das zu einem “unvergleichlich guten Organisator”? Möchte Gott, dass wir ihn so nennen? Was wäre der Sinn davon?

Das Wort “Organisator” an sich ist ein Substantiv. Sicherlich hätte es Jehova in der Bibel erwähnt, wenn er für seine organisatorischen Fähigkeiten bei den Menschen bekannt sein möchte. Und er beschreibt sich zwar selbst auf viele verschiedene Weisen in der Heiligen Schrift, aber nicht einmal bezeichnet er sich selbst als Organisator. Man stelle sich vor, das erste der Zehn Gebote würde wie folgt lauten:

“Ich bin Jehova, dein Organisator, der dich aus dem Land Ägypten, aus der Sklaverei, herausführt hat. Du sollst keine anderen Organisatoren neben mir haben” (Ex. 20:2, 3).

Wie in den drei Eingangsfragen des Wachtturmartikels anklingt, ist der Zweck des Artikels zu erkennen, dass alles was Jehova tut einen beachtlichen Grad der Organisation in sich birgt. Damit im Hinterkopf werden wir dann zu dem Gedanken bewogen, dass es nur eine Organisation gibt in der wir Jehova so anbeten können, wie er es möchte. Organisation müsste es demnach sein, was das Erkennungszeichen wahrer Christen ist; oder mit den Worten von Johannes 13:35 (Achtung Ironie): “Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr organisiert seid.”
Die Bibel verwendet weder das Wort “Organisation”, noch spricht sie von der Notwendigkeit, organisiert zu sein, um Gottes Wohlgefallen haben zu können - die Schreiber des Artikels hatten also eine große Aufgabe vor sich: Wie beweist man die Wichtigkeit des Organisiertseins anhand der Bibel? Hierzu bedienen sich die Absätze 3 bis 5 der Astronomie. Ist das Universum auf eine uhrenwerkartige Weise organisiert? Wir konnten bislang kollidierende Galaxien nachweisen und Sterne, die eine derartige Masse erreicht hatten, dass sie kollabierten, explodierten und zu einem schwarzen Loch wurden, das alles um sich herum einsaugt. Unser Sonnensystem hat sich nach aktueller Forschung aus eine Kollision von Sternentrümmern gebildet. Einige dieser Trümmer existieren noch in einem Asteroidengürtel und am Rande unseres Sonnensystems in der sog. Oort’schen Wolke. Von dieser Wolke gehen gefährliche Kometen zur Erde hin aus und Asteroiden vom erwähnten Gürtel. Wissenschaftler glauben, dass ein hieraus resultierender Einschlag den Dinosauriern ein Ende bereitete. Das spricht alles eher weniger für minutiöse Organisation. Könnte es sein, dass Jehova Dinge in gang setzt und ihnen freien Lauf lässt? Oder liegt eine tiefere Weisheit dahinter?
Die Organisation der Zeugen Jehovas vermittelt den Gedanken, dass Jehova der große Uhrenbauer ist; dass alles, was er tut, minutiöse Organisation beinhaltet und dass es im Universum keine Zufallsereignisse gibt. Diese Ansicht deckt sich jedoch nicht mit wissenschaftlichen Beobachtungen, noch wird sie von der Bibel gestützt. Das Leben ist deutlich interessanter, als es uns JW.org glauben machen möchte.

Nichtsdestotrotz geht der Schreiber des Wachtturm-Artikels anscheinend davon aus, dass wir blind akzeptieren, dass alles im Universum akribisch organisiert sei und wir im Folgenden dann zu der Schlussfolgerung gelangen können, auch wir müssen organisiert sein, damit alles seine Richtigkeit hat. Es geht mir natürlich nicht darum, dass alles Organisierte schlecht ist, aber die Frage ist berechtigt, ob die Organisation von Gott ins Leben gerufen wurde, wie es Jehovas Zeugen schließlich behaupten.

Von Gott organisiert?

Um den Faden nicht zu verlieren, möchte ich kurz wiederholen, was der Wachtturmleser bereits weiß, wenn er sich mit diesem Artikel beschäftigt. Immer wenn die Publikationen, Videos und Broadcasts von JW.org von “Gottes Organisation” sprechen, meinen sie die Organisation der Zeugen Jehovas. Für einen kritischen Denker ist es eigentlich nicht in Ordnung, sie Gottes Organisation zu nennen, solange für einen noch nicht klar ist, ob dem wirklich so ist. Ich zitiere den Artikel im Folgenden dennoch mit dieser stark gefärbten Sprache.

Das Universum ist wirklich ein Wunderwerk der Organisation. Es muss Jehova daher am Herzen liegen, dass auch seine Anbeter gut organisiert sind. Deshalb hat Jehova uns die Bibel als Anleitung gegeben. Ein Leben ohne seine Maßstäbe und seine Organisation hätte Unglück und Elend zur Folge.- Absatz 6
Der Artikel möchte uns zu folgender Gedankenkette bringen:
Zunächst wird dargelegt, dass Jehova möchte, dass wir wie alles andere auch gut organisiert sind. Dann wird uns gesagt, dass Gott uns die Bibel gab, um uns darin anzuleiten, uns besser zu organisieren. (Sollten wir eigentlich annehmen, dass uns Jehova verwirft, falls wir den Grundsätzen der Bibel bzgl. Moral, Liebe, Glauben und Hoffnung folgen, aber NICHT entsprechend organisiert sind?) Und schließlich sollen wir erkennen, dass die Bibel nicht genug ist: Wenn wir ohne der Organisation der Zeugen Jehovas leben, werden wir unglücklich und elend enden.

Die Hilfe, von der gesprochen wird, beinhaltet ihre Interpretation der Bibel. Beispiel:

Die Bibel ist keine zusammenhanglose Sammlung jüdischer und christlicher Texte. Ihr Aufbau ist gut durchdacht — ein von Gott inspiriertes Meisterwerk. Die einzelnen Bibelbücher sind miteinander verknüpft. Vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung zieht sich ein Thema wie ein roter Faden durch die Bibel: die Rechtfertigung der Souveränität Jehovas und die Verwirklichung seines Vorsatzes für die Erde durch sein Königreich unter Christus, dem verheißenen Nachkommen. (Lies 1. Mose 3:15; Matthäus 6:10; Offenbarung 11:15.) - Absatz 7
Jehovas Zeugen erzählen uns hier also, dass das zentrale Thema der Bibel die “Rechtfertigung der Souveränität Jehovas” sei. Machen Sie doch einfach mal eine Suche in der Watchtower Library (online und auf CD verfügbar) zu den Begriffen “Rechtfertigung” und “Souveränität” und ähnliche Wörtern. Es wird Sie überraschen, dass diese Begriffe in der Bibel nicht einmal vorkommen.* Falls das Hauptthema der Bibel gar nicht das ist, was Jehovas Zeugen hier behaupten, was ist es dann? Falls wir mit Wachtturmartikeln wie diesem vom eigentlichen Zweck der Bibel weggeführt werden, dann sind wir aus christlicher Sicht doch erst Recht im Begriff “unglücklich und elend” zu enden.


JW.org - teils jüdisch, teils christlich

Um zu belegen, dass die Organisation der Zeugen Jehovas biblisch und notwendig ist, wird sich im Wachtturmartikel nun wieder auf Israel als Modell für die moderne Christenversammlung bezogen.
Die Israeliten in alter Zeit waren ein Beispiel für gute Organisation. So gab es unter dem mosaischen Gesetz „Frauen, die am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft organisierten Dienst taten“ (2. Mo. 38:8). Zogen die Israeliten mit der Stiftshütte weiter, geschah dies geordnet. Später teilte König David die Leviten und Priester in gut funktionierende Abteilungen ein (1. Chr. 23:1-6; 24:1-3). Gehorchten die Israeliten Jehova, wurden sie mit Ordnung, Frieden und Einheit gesegnet (5. Mo. 11:26, 27; 28:1-14).- Absatz 8
Natürlich waren sie organisiert, als Gott Millionen von Menschen durch die lebensfeindliche Wüste nach Kanaan schreiten ließ. Jehova ist natürlich fähig, zu organisieren, wenn ein Ziel erreicht werden soll, für das eine Organisierung notwendig ist. Als die Israeliten im Verheißenen Land ankamen und sich niederließen verschwand dieser Grad der Organisation wieder. Um genau zu sein war es die Wiedereinführung einer straffen Organisation unter einer menschlichen Autorität, die alles Erreichte wieder zunichte machte.
“In jenen Tagen gab es keinen König in Israel. Jedermann war gewohnt, zu tun, was in seinen eigenen Augen recht war” (Ri. 17:6, NW).

Das klingt kaum nach einer Organisation unter einer zentralen Autorität. Warum benutzt man eigentlich nicht diese Beschreibung als Vorbild für die moderne Christenversammlung und stattdessen die gescheiterte Struktur Israels, die durch ihren fehlgeleiteten Wunsch nach einem menschlichen König, der sie regieren sollte, entstand?

Gab es im ersten Jahrhundert eine Leitende Körperschaft?

Die Absätze 9 und 10 versuchen eine Grundlage für die heutige Leitende Körperschaft zu legen, indem dort gesagt wird, es habe im ersten Jahrhundert ein Gegenstück existiert. Dies ist jedoch nicht wahr. Bei einer einzigen Begebenheit gaben die Apostel und älteren Männer von Jerusalem eine Anweisung an alle Versammlungen jener Tage weiter, und das nur, weil Männer aus ihren eigenen Reihen das zugrundeliegende Streitthema aufbrachten. Also war es auch ihre Aufgabe, dazu Stellung zu nehmen. Darüber hinaus gibt es keinen Beweis dafür, dass sie allen Versammlungen, die auf der damaligen Welt verteilt waren, angeleitet hätten. Es ist genau das Gegenteil der Fall. Wer führte denn z.B. die Bezeichnung “Christen” ein? Sie kam aus der nichtjüdischen Versammlung in Antiochia (Apg. 11:26). Auch wurden Paulus und seine Begleiter nicht von einer Leitenden Körperschaft auf seine drei Missionsreisen entsandt. Es war wiederum die Versammlung in Antiochia, die Paulus damit beauftragte und unterstützte.**

Hältst du dich an Anweisungen?

“Sich an Anweisungen zu halten” klingt harmlos. Es ist jedoch ein Euphemismus bei Jehovas Zeugen für “kritiklosen Gehorsam”. Schnelle und bedingungslose Unterordnung unter die Anordnungen der Männer, die in der Organisation der Zeugen Jehovas die Führung innehaben, ist das, was erwartet wird.
Wie sollten sich Mitglieder von Zweig- oder Landeskomitees, Kreisaufseher oder Versammlungsälteste verhalten, wenn sie von Gottes Organisation Anweisungen bekommen? Jehova fordert uns alle in seinem Wort auf: „Gehorcht . . . und seid unterwürfig“ (5. Mo. 30:16; Heb. 13:7, 17). Eine kritische oder rebellische Einstellung ist in Gottes Organisation fehl am Platz, da sie die Liebe, den Frieden und die Einheit einer Versammlung stören könnte. Sicher möchte kein loyaler Christ so respektlos und illoyal sein wie Diotrephes. (Lies 3. Johannes 9, 10.) Fragen wir uns: Trage ich in meinem Umfeld zu einer geistig erbauenden Atmosphäre bei? Bin ich bereit, Anweisungen von verantwortlichen Brüdern sofort anzunehmen und mich daran zu halten?- Absatz 11
Die ersten beiden Sätze des 11. Absatzes führen zu dem Eindruck, dass die Bibel den Zweikomitees, Kreisaufsehern und Versammlungsältesten ans Herz legt, gehorsam und sich unterordnend gegenüber der Leitenden Körperschaft zu verhalten. Zwei Verse werden als Quelle angegeben.
In 5. Mose 30:16 geht es um die Gebote Gottes, nicht um die “Gebote von Menschen” oder die “Anweisungen” der Organisation der JZ. Und in Hebräer 13:17 geht es nicht um bedingungslosen Gehorsam bezüglich den Anweisungen von Menschen. Das griechische Wort peithó, das hier gebraucht wird, bedeutet “überzeugt sein”, “Vertrauen haben”. Nicht “gehorchen”. Wenn die Bibel davon spricht, Gott zu gehorchen, wie z.B. in Apg. 5:29, benutzt sie ein anderes griechisches Wort.*** Auf welcher Grundlage sollte man dazu bewogen sein, den Anweisungen der Ältesten, des Kreisaufsehers oder der Leitenden Körperschaft Folge zu leisten? Sollte es nicht Gottes inspiriertes Wort sein? Was also, falls die Anweisungen konträr zu diesem inspirierten Wort stehen? Wem sollten wir dann gehorchen?
Eine kritische oder rebellische Einstellung ist in Gottes Organisation fehl am Platz, da sie die Liebe, den Frieden und die Einheit einer Versammlung stören könnte. Sicher möchte kein loyaler Christ so respektlos und illoyal sein wie Diotrephes.- Absatz 11
Für den Vergleich mit Diotrephes, der bei jedem gebracht wird, der nicht bereitwillig der Leitung der Leitenden Körperschaft folgt, sollten wir im Sinn behalten, dass es der Apostel Johannes war, dem Diotrephes widerstand. Somit wird eine Parallele zwischen dem von Jesus ernannten Apostel Johannes und den selbsternannten Gliedern der Leitenden Körperschaft gezogen.
Jehovas Zeugen haben lange Zeit den Papst und andere Kirchenpersönlichkeiten in großem Maße kritisiert. Dennoch ziehen sie es nicht in Erwägung, dass sie mittlerweile vielleicht selbst eine Position wie die des Diotrephes einnehmen. Was sind überhaupt die Kriterien dafür, dass jemand als neuzeitlicher Diotrephes gilt? Wann ist es in Ordnung, einer geistlichen Autorität ungehorsam zu sein? Und können die gleichen Kriterien auch auf Zeugen Jehovas angewandt werden?

Wer ernannte Timotheus?

Um die Notwendigkeit der bedingungslosen Unterstützung der Anweisungen der Leitenden Körperschaft zu veranschaulichen wird folgendes Beispiel gebracht:
Denken wir an eine Entscheidung, die die leitende Körperschaft vor einiger Zeit traf. Im Wachtturm vom 15. November 2014 wurde in „Fragen von Lesern“ eine geänderte Vorgehensweise bei der Ernennung von Ältesten und Dienstamtgehilfen erklärt. Wie ausgeführt wurde, bevollmächtigte die leitende Körperschaft im 1. Jahrhundert reisende Aufseher, solche Ernennungen vorzunehmen. Gemäß diesem Vorbild ernennen Kreisaufseher seit dem 1. September 2014 Älteste und Dienstamtgehilfen.- Absatz 12
Als Begründung für diese Änderung wird die Struktur im ersten Jahrhundert angeführt. Wie es immer öfter der Fall ist, wird auch hier keine biblische Basis angeführt, um die Behauptung zu stützen, dass es damals so gewesen ist. Haben die älteren Männer und Apostel in Jerusalem - also das, wovon die heutige Leitende Körperschaft behauptet, es sei die Leitende Körperschaft im ersten Jahrhundert gewesen - wirklich reisende Aufseher autorisiert solche Ernennungen vorzunehmen? Timotheus ist als Beispiel in den im Absatz angeführten Bibelversen genannt. Wer hat Timotheus autorisiert, Älteste in den Versammlungen zu ernennen, die er besuchte?
“Diesen Auftrag vertraue ich dir an, Kind, Timotheus, gemäß den Voraussagen, die direkt zu dir hingeführt haben, damit du durch diese den vortrefflichen Kriegszug fortsetzest” (1. Tim. 1:18, NW).
“Vernachlässige die Gabe in dir nicht, die dir durch eine Voraussage verliehen wurde und dadurch, dass dir die Körperschaft der älteren Männer die Hände auflegte” (1. Tim. 4:14, NW).
“Gerade au diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gabe Gottes, die durch das Auflegen meiner Hände in die ist, wie ein Feuer anzufachen” (2. Tim. 1:6, NW).

Timotheus kam aus Lystra und nicht aus Jerusalem. Von dem eben Zitierten wird klar, dass der Apostel Paulus und die Ortsältesten die Gaben des Geistes in Timotheus am Werke sahen. Das und die Voraussagen über ihn, die durch den Heiligen Geist gemacht wurden, hat sie dazu bewogen, ihm die Hände aufzulegen und ihn für die vorliegende Arbeit auszusenden. Wir könnten nun argumentieren, dass ja durch die Anwesenheit des Paulus die sogenannte Leitende Körperschaft von Jerusalem dabei mitwirkte. Doch die Schrift sagt das Gegenteil.

“Nun befanden sich in der Ortsversammlung in Antiọchia Propheten und Lehrer: Bạrnabas und auch Sịmeon, genannt Nịger, und Lụcius von Kyrẹne und Mạnaën, der mit Herodes, dem Bezirksherrscher, erzogen worden war, und Saulus. Während sie Jehova öffentlich dienten und fasteten, sprach der heilige Geist: „Sondert mir von allen Personen Bạrnabas und Saulus für das Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.“ Da fasteten und beteten sie und legten ihnen die Hände auf und ließen sie gehen” (Apg 13:1-3, NW).

Die Berufung und Autorisierung von Saulus (Paulus), seine Dienstreisen fortzusetzen kam nicht von Jerusalem, sondern Antiochia. Sollten wir also annehmen, dass Antiochia die Leitende Körperschaft des ersten Jahrhunderts bildete? Wohl kaum. Die Schrift zeigt klar, dass alle Ernennungen vom Heiligen Geist gemacht wurden und keinem zentral organisierten Komitee oder deren reisenden Aufsehern.

Von denen überzeugt sein, die die Führung übernehmen (Heb. 13:17)

Jetzt kommt ein Hinweis im Wachtturm, dem wir wirklich folgen sollten.
“ Wir müssen den biblisch fundierten Rat der Ältesten befolgen. Diese loyalen Hirten der Organisation Gottes lassen sich von den „gesunden Worten“ aus der Bibel leiten (1. Tim. 6:3)” - Absatz. 13
Wenn der Rat auf die Bibel gestützt ist, dann sollten wir ihm unter allen Umständen nachkommen, ganz egal wo er herkommt (Mt. 23:2, 3). Dennoch müssen wir 1. Timotheus 6:3 zufolge keinem Rat folgen, der nicht auf die Bibel gestützt ist und eben nicht gesund und nützlich ist.
“Wenn jemand eine andere Lehre lehrt und den gesunden Worten, denen unseres Herrn Jesus Christus, und der Lehre, die der Gottergebenheit entspricht, nicht zustimmt, so ist er vor Stolz aufgeblasen und versteht nichts, sondern ist wegen Streitfragen und Debatten über Worte geistig krank. Aus diesen Dingen entspringen Neid, Streit, Lästerreden, böse Verdächtigungen, heftige Wortwechsel um Kleinigkeiten von seiten der Menschen, die verderbten Sinnes und der Wahrheit beraubt sind und denken, Gottergebenheit sei ein Mittel zum Gewinn” (1. Tim. 6:3-5, NW).

In solchen Fällen sollten wir also absolut nicht folgen. Ein praktisches Beispiel können wir im nächsten Absatz sehen.
[Paulus] forderte die Ältesten auf, den unmoralischen Mann „dem Satan [zu] übergeben“ — ihn also auszuschließen. Um die Reinheit der Versammlung zu bewahren, mussten die Ältesten den „Sauerteig“ entfernen (1. Kor. 5:1, 5-7, 12). Wird heute ein reueloser Sünder ausgeschlossen, sollten wir hinter der Entscheidung der Ältesten stehen. Dadurch tragen wir zur Reinheit der Versammlung bei und möglicherweise auch dazu, dass die Person bereut und die Vergebung Jehovas sucht.” - Absatz 14
Paulus schrieb seine Briefe an ganze Versammlungen, nicht unter Verschluss an die Ältestenschaft (Kol. 4:16). Seine im Absatz zitierten Worte wurden an alle Brüder und Schwestern der Versammlung in Korinth gerichtet. Wenn wir sowohl die Mahnung, ‘einen bösen Menschen aus der Mitte zu entfernen’ und den anschließenden Appell an alle, zu vergeben, betrachten, dann sehen wir klar, dass die Versammlung angesprochen wurde und nicht nur die Ältesten (1. Kor. 5:13; 2. Kor. 2:6, 7).
Heute schließen die Ältesten hinter verschlossenen Türen einzelne Zeugen Jehovas im Geheimen aus und keiner weiß, was überhaupt die Sünde war oder weshalb derjenige ausgeschlossen wurde. Das ist im Widerspruch zu den klaren Anweisungen Jesu in Matthäus 18:15-17.**** Um dem Rat aus 1.Timotheus 6:3-5 zu folgen sollten wir den Anweisungen in Absatz 14 also nicht Folge leisten.

Die Essenz nicht erkennen

In Korinth gab es noch ein Problem, das angegangen werden musste. Einige brachten ihre Brüder vor Gericht. Paulus stellte ihnen die ernüchternde Frage: „Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun?“ (1. Kor. 6:1-8).
- Absatz 15
Absatz 15 macht einen Aufruf zur Einheit bezüglich strittigen rechtlichen Angelegenheiten zwischen Brüdern, indem er 1. Kor. 6:1-8 zitiert. Das ist ein guter Ratschlag, aber er verliert an Gewicht durch die fehlgeleitete Lehre der Organisation über die anderen Schafe. Warum? Weil die anderen Schafe gemäß der Organisation eben nicht “Engel richten” werden, was wiederum den Ausführungen Pauli in 1. Korinther 6:3 den Boden entzieht.***** “Oder wißt ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet werden soll, seid ihr da nicht geeignet, ganz geringfügige Dinge rechtlich zu entscheiden? Wißt ihr nicht, daß wir Engel richten werden? Warum also nicht Dinge dieses Lebens?” (1. Kor. 6:2, 3; NW)

Einheit vs. Liebe

Absatz 16 appelliert an die Einheit. Liebe lässt Einheit als natürliches Resultat entstehen, aber Einheit kann eben auch ohne Liebe bestehen. Auch der Teufel und seine Dämonen haben gewisse Einheit untereinander (Mt. 12:26). Einheit ohne Liebe hat für Christen keinen Wert. Was Jehovas Zeugen eigentlich meinen, wenn sie von Einheit reden, ist Konformität, oder noch krasser ausgedrückt: Gleichschaltung. Konformität zu den Anweisungen der Leitenden Körperschaft, der Zweigbüros, der Kreisaufseher und der Ortsältesten erzeugt eine Form der Einheit, aber ist das die Art von Einheit, die Jehova Gott segnet?

Ausschlussangelegenheiten falsch gehandhabt

Absatz 17 scheint uns eigentlich ausgeglichenen, auf die Bibel gestützten Rat zu geben.
“Damit die Einheit und Reinheit einer Versammlung erhalten bleibt, müssen sich die Ältesten unverzüglich mit Rechtsangelegenheiten befassen und dabei liebevoll vorgehen.“- Absatz 17
Illustration aus: Der Wachtturm,
Studienausgabe, Nov. 2016, S. 13
Man muss nur kurz im Internet nach News oder Artikeln über Jehovas Zeugen suchen und schon wird man Informationen darüber finden, wie diese “Rechtsangelegenheiten” (gemeint sind Ausschlussverfahren) gehandhabt werden und dass diese eben nicht zu “Reinheit” und Einheit führen. Die Ausschlussregelungen sind die umstrittendsten und folgenreichsten Aspekte, wegen denen die Organisation heute in der Kritik steht.

Es ist wichtig, die Versammlung rein zu halten, aber wenn wir wir von dem Vorgehen abweichen, das unser Herr Jesus Christus vorgab, dann werden wir sicherlich Schwierigkeiten bekommen und Schande auf seinen Namen und den unseres Vaters im Himmel bringen.

Besonders deutlich wird das, wenn jemand aus freien Stücken heraus kein Zeuge Jehovas mehr sein will, ohne dass etwas vorgefallen wäre, weshalb er hätte ausgeschlossen werden können. (Bei Jehovas Zeugen nennt man das “die Gemeinschaft verlassen”.) Manchmal hat das dazu geführt, dass schwache Mitglieder wie z.B. Opfer von Kindesmisshandlung von ihrer Familie und ihrem Freundeskreis gemieden werden, wenn sie die Zeugen Jehovas deshalb verlassen haben, weil sie vom Vorgehen der Organisation empört, enttäuscht und verletzt waren (Mt. 18:6).

Wie Absatz 17 weiter beschreibt, zeigen wir zwar auf, was die Bibel uns anweist, wir halten uns nur nicht daran.
“Einige Monate später schrieb er den Korinthern einen zweiten Brief. Wie dieser zeigt, waren in der Versammlung Fortschritte zu erkennen, weil die Ältesten den Rat des Apostels umgesetzt hatten.”- Absatz 17
“Einige Monate später” wies Paulus die Versammlung an, den Mann wiederaufzunehmen. Es wird im Wachtturmartikel zwar gesagt, dass in diesem biblischen Beispiel die Wiederaufnahme “einige Monate später” bereits nach dem “Ausschluss” erfolgt war, aber davon wird kein Rat an die heutigen Ältesten abgeleitet. Jeder Älteste weiß, dass man bei Jehovas Zeugen mindestens ein Jahr ausgeschlossen sein muss, um wiederaufgenommen zu werden. Ich habe selbst einige Ältestenschaften erlebt, die sich vor dem Kreisaufseher dafür rechtfertigen mussten, dass sie jemand vor Ablauf von 12 Monaten wieder aufnahmen. Dieses ungeschriebene Gesetz wird über verschiedene Wege vermittelt. Zum Beispiel wurde auf dem regionalen Kongress im letzten Jahr (2016) ein Video abgespielt, das eine Schwester zeigte, die wegen “Hurerei” ausgeschlossen wurde. Nach 15 Jahren, als sie schon lange nicht mehr das, weshalb sie ausgeschlossen wurde, tat, hat sie sich darum bemüht, wiederaufgenommen zu werden. Passierte das sofort? Nein. Sie musste ein ganze Jahr (!) warten, bis sie wiederaufgenommen wurde. ‘Wir ehren Gott mit unseren Lippen, aber unsere Herzen sind weit von ihm entfernt’ (Mk. 7:6).

Was wirklich wichtig ist

In einer Versammlung, der Jesus Christus vorsteht, ist Liebe das wirklich wichtige Element (Joh. 13:34, 35; 1. Kor. 13:1-8). In einer Organisation jedoch, die von Menschen gestaltet wird, ist das wichtigste Gehorsam, Fügsamkeit und Konformität. Das einzige, was dort zählt, ist, dass die Anweisungen befolgt werden (Mt. 23:15).




Fußnoten

* Zu mehr Informationen, warum das gesagt werden kann, empfehle ich die Artikel: Vindicating Jehovah’s Sovereignty und Why Do Jehovah’s Witnesses Preach the Vindication of Jehovah’s Sovereignty?

** Zu der Frage, ob es im ersten Jahrhundert nun eine Leitende Körperschaft oder nicht gab, siehe: 
Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas - eine biblische Vorkehrung?
*** Für mehr Informationen zu dem verwendeten griechischen Wort und was damit gemeint ist siehe: To Obey or Not to Obey—That Is the Question

**** Für eine detaillierte Analyse, die betrachtet, wie die Organisation Bibeltexte für die Ausschlusspraxis “missbraucht”, siehe Matthew 18 Revisited, die Artikelserie Exercising Justice sowie II. Ausschluss, Gemeinschaftsentzug, Exkommunikation

***** Ein ausführliche Abhandlung zu der Lehre der anderen Schafe anhand der Bibel findet sich in den Artikeln Adopted! und Going Beyond What Is Written, sowie in Der neue Gesalbe



Dieser Artikel basiert auf einem Artikel meines Bruders Meleti Vivlon von Beroean Pickets.
Die Abkürzung "NW" steht für die Bibelübersetzung der Zeugen Jehovas ("Neue-Welt-Übersetzung").

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Verbietet die Bibel Homosexualität?

Was lehrt die Bibel wirklich über Homosexualität? 

Werden Schwule und Lesben in der Bibel verurteilt?

Auf welche Stellen wird sich hierbei bezogen? Pro? Contra?

Ursprünglich veröffentlicht am: 23.08.2015
Überarbeitet am: 21.12.2016

Der folgende Artikel soll umfassenden Aufschluss darüber geben, was die Bibel zu dem Thema sagt.
Vorweg sei gesagt: Es gibt zwei Lager. Das eine sieht in der Bibel einige Stellen, die für sie eindeutig gegen ein Gutheißen von Homosexualität sprechen. Das andere Lager stellt fest, dass alternative Übersetzungsmöglichkeiten und der literarische und kulturelle Kontext Homosexualität in der Bibel anders erscheinen lassen, als es bislang im Allgemeinen angenommen wurde.

Sonntag, 30. Oktober 2016

HGP, der Zeugen Jehovas Blogger, begründet die enge Hosen-Regelung

Leider antwortet uns der liebe Zeugen Jehovas-Blogger HGP ja nicht mehr persönlich, da er eine Person wie mich nicht als "echten Christen" ansieht (und somit schonmal das Urteil von Jesus Christus vorwegnimmt, wer ihm denn nun nachgefolgt ist und wer nicht).

Dennoch hat er es sich nicht nehmen lassen, indirekt durch einen Artikel auf das Thema "Zeugen Jehovas und enge Hosen" zu reagieren.

Jehovas Zeugen warnen in ihren Schriften und noch aggressiver in Vorträgen Männer vor dem Tragen von engen Hosen. Diese seien durch die homosexuelle Einflüsse in der Modeindustrie entstanden, Frauen fänden sie an Männern widerlich und der einzigen Personengruppe, der enge Hosen an Männern gefällt seien Homosexuelle selbst. Für einen Christen seien diese Hosen also durch und durch verwerflich. Auf den Bilder unten sieht man zwei Auszüge aus Wachtturm Studienausgaben, auf denen auch bildlich dargestellt wird, um welche Art Hosen es u.a. geht und dass Älteste offensiv dagegen vorgehen sollen.

Von christlicher Warte aus frage ich mich, ob das das Predigen des Evangeliums Jesu Christi sein soll, wenn man auf diese Art und Weise den Kleidungsstil vorschreibt. Ein sanfter Hinweis, dass manche Kleidung so sexualisiert sein könnte, dass man als Christ sie meiden sollte ist das eine. Ein de facto Verbot von engen Hosen das andere.

 

Bildquellen: oben: Der Wachtturm, Studienausgabe Januar 2017, unten: Der Wachtturm, Studienausgabe Oktober 2016


HGP kommentiert die Sachlage wie folgt (https://hgp3.wordpress.com/2016/10/26/hosen/, abgerufen am 30.10.2016):

"Als Fischotter trägt man ja selten Hosen. Aber wer den Wachtturm liest, dem fällt auf, dass dort Männern mehr oder weniger subtil vom Tragen enger Hosen abgeraten wird (z.B. in dieser Grafikaus dem Wachtturm vom Juni 2016, Seite 6-10). Ich konnte auch feststellen, dass der eine oder andere nicht verstanden hat, wo da ein Problem liegen könnte. Einige scheinen der Meinung zu sein, dass die Ursache für diese Meinung zur Hosenmode daher stammt, dass die Leitung der Zeugen Jehovas keine Ahnung von Mode hat.
Folgendes Zitat aus einem ’schwulen‘ Blog der Zeit fiel mir heute in die Hände und könnte helfen, das Problem zu erläutern:
Ich habe über Facebook meine Freunde um Vorschläge gebeten, welche Errungenschaften schwuler Kultur außerdem noch [von Heterosexuellen] kopiert wurden. Als Antworten kamen: Enge Hosen…
Der zitierte Blog beschäftigt sich nicht mit Zeugen Jehovas sondern mit den Belangen der ’schwulen Bewegung‘ bzw. Homosexueller im Allgemeinen. Wenn wir dieses Zitat ernst nehmen wollen, sieht es so aus, dass Homosexuelle sich selber für die Erfinder dieses Hosen-Modetrends halten und dieser Trend (bzw. das zugehörige Aussehen) eigentlich mit ihrer Bewegung assoziiert ist.
Es verwundert mich daher wenig, dass im Wachtturm von dieser Mode abgeraten wird. Es war bisher bei jeder Mode so, die mit einer Bewegung oder Gruppe assoziiert wird, welche Zeugen Jehovas als unchristlich ansehen. Das ist auch eigentlich normal: Wer eine bestimmte Weltanschauung hat und auf diese stolz ist, der will nicht mit einer anderen Gruppe verwechselt werden, die ziemlich genau eine entgegengesetzte Ansicht vertritt. Was mir der zitierte Zeit-Blog zeigte: Zeugen Jehovas haben ihre Meinung zur Hosenmode nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern haben sehr wohl verstanden, wo der betrachtete Modetrend herkommt und mit welcher Gruppierung er assoziiert wird.
Mir ist natürlich andererseits auch klar, dass eine derartige Abgrenzung von Homosexuellen in der deutschen Gesellschaft heutzutage nicht mehrheitsfähig ist und daher bestenfalls belächelt und schlimmstenfalls bekämpft wird. Daher ist es um so bemerkenswerter, dass Homosexuelle in dem oben angesprochenen Punkt einer Meinung sind."
Seine Begründung ist also: Christen müssen sich auf Biegen und Brechen von Homosexuellen abgrenzen. Und wenn Homosexuelle enge Hosen toll finden, dann haben sie Zeugen Jehovas doof zu finden. Gilt das dann eigentlich auch für Speisen und Frisuren, an denen es eigentlich nichts auszusetzen gibt, die aber zuerst in homosexuellen Kreisen üblich waren?

Was wird Jesus dazu eines Tages sagen? "Klasse, dass ihr 2040 als spätestmögliches Ende festgelegt und enge Hosen verboten habt. Zwar habe ich gelehrt, dass die Menschen nicht auf andere Menschen hören sollen, die behaupten, Jesus sei bereits (unsichtbar) wiedergekommen und über Kleidung habe ich gar nichts gelehrt, aber gut, dass ihr so schön über meine eigentlichen Lehren hinausgegangen seid"?

Montag, 10. Oktober 2016

Parallelen zwischen Moslems und Zeugen Jehovas

Muslimische Gemeinden haben in besonders einem Punkt eine enorme Parallele zu Jehovas Zeugen: Das Heiraten eines Andersgläubigen ist verpönt und wird diszipliniert. Erst wird die Person, die einen Andersgläubigen heiraten möchte gut zugeredet. Hört die Person nicht, wird Druck aufgebaut. Auch von der Familie. Auch in Bezug auf das Kopftuchtragen ist dies in den Ahmadiyy-Gemeinden nachweislich vorgefallen. Muslime gehen in manchen Fällen noch einen Schritt weiter und sprechen sogar Morddrohungen gegen den Aussteiger aus. Folgender Talkshowausschnitt legt sowohl die Sichtweise von Frau Hübsch, einer aktiven Muslima, und einer Ex-Muslima dar:

Dienstag, 4. Oktober 2016

Jehovas Zeugen und enge Hosen, die Zweite

Unter Jehovas Zeugen, zumindest der Führungsriege, besteht eine Art Besessenheit was enge Hosen bei Herren betrifft. Im neuesten Studienwachtturm vom Januar 2017 wird diese erneut bestätigt:


Bildquelle: Der Wachtturm, Studienausgabe, Januar 2017


Wir sehen links zwei vorbildliche Brüder und rechts zwei unvorbildliche, unbescheidene. Folgendes gilt demnach als Mangel an Bescheidenheit:

- Eine eng anliegende Anzughose
- Eine modisch kurz geschnittene Anzughose
- Socken in Kontrastfarben
- Ein Undercut
- Gegelte "Struppelhaare"


Wieder einmal wird sich auf die wirklich wichtigen Dinge des Christseins konzentriert. Man kann sich nur zweifelnd fragen, ob Jesus Christus das genauso sehen würde.

In Liebe

Kyp